Klarinette und Akkordeon- und die Sache mit der Gleichberechtigung

Ich komme aus der klassischen Richtung und kenne die Klarinette aus unterschiedlichen Besetzungen: mit Klavier oder Orchester, in Bläserensembles und in der Kammermusik mit Streichern. Dort sind die Rollen meist klar verteilt. Als die Idee entstand, mit Akkordeon zu spielen, war das für mich deshalb zunächst etwas ganz Neues.

Schnell wurde mir bewusst, welche Möglichkeiten in dieser Kombination liegen. Das Akkordeon kann harmonisch tragen, eine eigenständige Melodie übernehmen oder einen ganzen Klangraum öffnen. Auch die Klarinette ist nicht automatisch auf die Melodiestimme festgelegt. Die Rollen können sich jederzeit verändern – und unter Hinzunahme der Bassklarinette allemal!

Ein weiterer, ganz praktischer Aspekt ist die Unabhängigkeit von einem vorhandenen Instrument vor Ort. Mit dem Akkordeon bringen wir unser eigenes harmonisches Fundament einfach mit. Wir sind unabhängig davon, ob ein Klavier da ist, ob es gestimmt ist oder ob es überhaupt den klanglichen und technischen Anforderungen entspricht, die wir für unsere Musik brauchen. Das gibt uns eine besondere Freiheit: Wir sind nicht darauf angewiesen, was uns an einem Veranstaltungsort erwartet, sondern können unsere Klangwelt selbst mitbringen und gestalten.

Da es für Klarinette und Akkordeon vergleichsweise wenig Originalliteratur gibt, bearbeiten Janina und ich viele Werke. Dabei geht es uns nicht darum, eine ursprüngliche Besetzung möglichst genau nachzuahmen. Wir fragen vielmehr: Was braucht diese Musik – und was kann gerade unsere Besetzung daraus machen?

In den Proben entstehen immer wieder neue Klangverbindungen. Eine Begleitstimme bekommt plötzlich eigenes Gewicht, die Klarinette verschmilzt mit dem Akkordeon oder tritt bewusst in Kontrast zu ihm. Mal führt die eine, mal die andere Stimme. Aus Nähe und Eigenständigkeit entwickelt sich ein musikalischer Dialog.

Bei jeder Bearbeitung suchen wir neu nach dem Kern eines Stücks: Welche Stimme braucht jetzt Raum? Wann ist Nähe wichtig, wann Kontrast? Welche Klangfarbe entsteht überhaupt erst durch das Zusammenspiel dieser beiden so unterschiedlichen Instrumente?

Viele der Antworten, die wir dabei gefunden haben, sind auf unserem Album deeper insight – Klangspuren im Leben zu hören. Für mich ist Klarinette und Akkordeon deshalb weit mehr als eine ungewöhnliche Instrumentenkombination: Es ist eine gemeinsame Klangsprache, die sich mit jedem Stück weiterentwickelt – mit der Freiheit, jeden geeigneten Raum bespielen zu können.

Hört euch an, was ich meine!

Das Album hören: https://music.apple.com/de/album/deeper-insight/6810140889

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